Bild von einem minimalistischen Arbeitsplatz

In letzter Zeit hatte ich sehr viel Gelegenheit über mich und mein Leben nachzudenken. Über die Entscheidungen die ich getroffen habe, das was mich antreibt und das was mir wichtig ist. Mir ist dabei mehr und mehr klar geworden, dass mein Leben ganz schön kompliziert ist, so manage ich gleichzeitig ziemlich viele Projekte, bin Vater, betreue einen Onlineshop und bin als Freiberufler tätig.

Insbesondere in den letzten Wochen habe ich sehr viel selbstreflektiert und mir Gedanken darüber gemacht, wieso ich eigentlich nicht restlos glücklich bin. Ich habe einen super Sohn, wohne in einer gigantischen Wohnung, und habe jeden nur erdenklichen Multimedia- und Unterhaltungskram zuhause.

Vor ca. zwei Monaten schließlich, bin ich auf Netflix bei einem Film hängen geblieben, der sich Minimalism: A Documentary nennt. In dem Film geht es um zwei ehemalige Managertypen, die irgendwann für sich festgestellt haben, dass sie sich nicht glücklich kaufen können. Daraufhin haben sie sich dem Minimalismus verschrieben, einer Lebensweise bei der man sich auf das Wesentliche reduziert. Der Film hat bei mir einen ziemlichen Impact ausgelöst, ähnlich wie damals, als ich mich dazu entschlossen habe kein Fleisch mehr zu essen und mich tatsächlich persönlich weitergebracht. Diese Erfahrung möchte ich gerne teilen – hier und jetzt.

Minimalism: A Documentary – mein Einstieg in den Minimalismus

Der Film selber handelt von  Joshua Fields Millburn und Ryan Nicodemus, zwei ziemlich sympatischen Amerikanern, die mit Anfang 30 für sich festgestellt haben, dass sie nicht so glücklich sind, wie sie es eigentlich sein sollten. Klasse Job, große Wohnung, super Einrichtung, teure Designeranzüge – das volle Programm eben.

Doch durch unterschiedliche Ereignisse in ihren Leben, haben die zwei festgestellt, dass sich ihr Leben eigentlich im Kreis dreht. Joshua hat es sinngemäß so beschrieben:

Ich mietete mir nicht die Wohnung die ich brauchte, sondern die die ich mir leisten konnte.

Dann musste ich sie einrichten, nicht mit den Dingen die ich brauchte, sondern mit denen die ich mir leisten konnte und die zu der Wohnung passten.

Dann musste ich wieder in die Arbeit gehen, um mir die Wohnung und die Einrichtung zu finanzieren.

Glücklich, machte mich nichts davon.

Ein weiteres Zitat aus dem Film hat mich ebenfalls ziemlich inspiriert. Es ist von Jim Carry und lautet (ebenfalls sinngemäß) folgendermaßen:

Ich wünschte das jeder einmal reich wäre und alles haben könnte wovon er träumt, um zu sehen dass das nicht die Antwort ist.

Und bei diesem Zitat habe ich für mich persönlich gemerkt, dass mich die ganze Geschichte ziemlich in den Bann zieht. Schließlich saß ich zu dem Zeitpunkt selber in meiner riesigen Wohnung, umgeben von all den vielen Sachen die ich nicht brauche und war nicht glücklich.

Bewusstsein schaffen für das Essentielle

Ich habe also angefangen über den Minimalismus nachzudenken, und darüber was mich wirklich glücklich macht.

Menschen

Am glücklichsten machen mich definitiv die Menschen um mich herum, mein Sohn, meine Freunde und meine Familie. Ohne meine sozialen Kontakte wäre ich nichts und vor allem hätte ich nichts worüber und worauf ich mich freuen könnte.

Arbeit

Auf irgendwelchen Facebookseiten, die mir permanent vorgeschlagen werden weil meine Freunde sie teilen, hab ich mal ein Konfuziuszitat gelesen: “Wer liebt was er tut, muss nie wieder arbeiten.” Und genauso geht es mir gerade. Ich liebe meinen Job, das entspannte Umfeld, die Freiheit und den kreativen Spielraum den ich dabei habe.

Sport

Wie schon gesagt, hatte ich in letzter Zeit oft ein bisschen mit mir selber zu kämpfen. Was tun wenn man alleine daheim sitzt und sich die Gedanken im Kreis drehen? Für mich gibt es darauf mittlerweile nur eine Antwort: Sport. Egal ob es Aggressionen sind, Trauer oder Verzweiflung, im Fitnessstudio lassen sich alle diese Emotionen in etwas Positives verwandeln.

Wie der aufmerksame Leser jetzt vielleicht merkt, sind in dieser kleinen Aufzählung bis jetzt keinerlei materielle Dinge vorgekommen. Das ist mir dann auch ziemlich schnell bewusst geworden. Bin ich glücklicher, weil ich in einem riesigen Raum sitze auf einer 800 Euro Couch? Nicht wirklich. Macht mich eine der 200 Euro Uhren glücklich, die ich noch nie getragen habe? Nope. Bringen mir die 55 Zoll beim Fernseher irgendeinen wirklichen Vorteil? Nein. Diese Erkenntnis hat mich ziemlich schnell, in eine ziemliche Euphorie versetzt.

Viele Dinge machen nicht nur “nicht glücklich” sondern unglücklich

Zuerst hab ich mal darüber nachgedacht, was ich in letzter Zeit so gekauft habe, unter anderem folgende Posten:

  • Bilder und Bilderrahmen (total belanglose Motive) – 300 €
  • Kisten und Aufbewahrungszeug (für noch mehr sinnlosen Kram) – 150 €
  • Teppich für ein Zimmer das ich nicht nutze – 70 €
  • Tisch für das Zimmer das ich nicht nutze – 120 €
  • Dritte Bettwäsche (keine Ahnung wozu) – 40 €
  • Kleidung die ich nie getragen habe – 300 €
  • Schuhe die ich noch nie anhatte – 200 €
  • Videospiele die ich nie gespielt habe – 180 €
  • Fotoequipment das ich nie genutzt habe – 120 €
  • die 200.000ste Sitzgelegenheit (man hat ja viel Platz) – 170 €
  • Sinnloser Dekokram – 100 €

Macht alles in allem alleine in den letzten Monaten gut 2000 € für Nichts. Nichts davon hat mir etwas gebracht als es mir schlecht ging und wenn ich ehrlich bin – auch nicht als es mir gut ging. Für das Geld hätte ich gut und gern einen zweiwöchigen All Inclusive Trip quer durch Indien machen können.

Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs

Wer viel Platz hat, der muss auch viel aufräumen, putzen, ausmisten, reparieren, pflegen und so weiter. Alles in allem verbringe ich gut 3 – 6 Stunden die Woche damit, Dinge aufzuräumen und Quadratmeter zu putzen die ich nicht brauche. Wenn ich diese Arbeitszeit in Geld umrechne wird es mir ehrlich gesagt schwindlig.

Dazu kommt noch, dass man die Dinge die man hat gar nicht richtig schätzen kann, weil es einfach zu viel ist. Mir ist klar das mein Fall vielleicht ein Extrembeispiel ist, ganz einfach weil meine Wohnung so groß ist und ich noch so viele Sachen aus meiner Beziehung habe.

Die Mission: werde ALLES los

Wer mich kennt weiß, ich bin kein großer Freund von faulen Kompromissen. Deshalb habe ich mich dafür entschieden mich auf das wirklich Wesentliche zu reduzieren. Ich rede keinesfalls davon auf einer Matratze in einem leeren Zimmer zu schlafen, sondern ich möchte mich nur noch mit den Dingen umgeben die ich wirklich brauche.

Das wären zum Beispiel:

  • meine Kamera
  • meine Gitarre
  • einen Macbook (habe derzeit Desktop und Mac)
  • einen Drucker
  • einen Tisch
  • ein Bett (wieso habe ich ein Gästebett!?)
  • eine kleine Couch
  • Fernseher
  • eventuell die Playstation

Das war’s. Mehr brauche ich eigentlich nicht. Natürlich hat man noch Klamotten, Geschirr, Pflegeartikel etc. aber diese möchte ich ebenfalls auf das absolut Nötigste beschränken. Nicht etwa weil ich auf irgendetwas verzichten möchte, sondern weil ich den Kram einfach nicht brauche.

Der Anfang

Den ersten Step in Richtung Minimalismus habe ich in meinem Wohnzimmer gemacht.

Bild von überflüssigen Sachen aus einem Wohnzimmer - das Gegenteil von Minimalismus

Das was man hier auf dem Bild sieht ist keinesfalls alles was ich im Wohnzimmer gefunden habe. Es sind lediglich ein paar Sachen, die ich sicherlich schon seit 2 Jahren nicht mehr angefasst habe. Am Ende des Abends an dem ich angefangen habe alles zusammenzusuchen was ich nicht mehr brauche, war der Tisch fast voll und das Zimmer fast leer. Man muss dazusagen dass hier auch noch eines von meiner Exfreundin mit dabei war. (zum Beispiel die etwa 10.000 Kerzen)

Das ich diese Sachen zusammengesammelt und verschenkt oder verkauft habe, ist nun einen Monat her und siehe da – ich vermisse NICHTS davon. Klar gibt es Dinge von denen man sich schwerer trennt, als von Weinregal und einem Büroschränkchen, aber es ist schon jetzt ein erleichterndes Gefühl.

In den kommenden Wochen werde ich immer mal wieder etwas zu diesem Thema schreiben und mich so radikal reduzieren, wie es eben möglich ist. Ich kann jedem empfehlen mal an sich selbst auszuprobieren, was von den Dingen in seiner Wohnung oder seinem Zimmer, schon seit langem nicht mehr genutzt wurde und diese Dinge zumindest mal in eine Kiste zu packen und irgendwo zu verstauen. Hat man nach ein paar Monaten nichts aus der Kiste benötigt, kann man es getrost entsorgen. Mein nächstes Projekt: Klamotten. Hierzu mehr im nächsten Beitrag.

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