Ipad / Tablet das auf einem Tisch liegt

Tablet, Computer und Fernseher sind heute in den meisten Haushalten Standard und üben besonders auf Kinder eine große Faszination aus. Steve Jobs hat seinen Kindern verboten, das I-Pad zu nutzen, doch ist das wirklich sinnvoll? Viele Eltern fragen sich ob und wie viel Zeit vor dem Bildschirm gut für Ihre Kinder ist, so auch ich und meine Partnerin. Zu welchen Ergebnissen wir gekommen sind und wie oft unser Sohn an Tablet und Co. spielen darf, erzähle ich euch hier.

Nichts ist nervtötender als Eltern, die irgendwann mal gelesen haben, nach einer Stunde Fernsehen sei es nun wirklich genug. Zumindest empfand ich das meine komplette Kindheit über so.

Ich durfte eigentlich so gut wie nie fernsehen, hatte keinen Computer und auch den ersten Gameboy bekam ich, zumindest wenn ich es mit meinen Freunden vergleiche, relativ spät. Meine Kindheit war von dem Kredo geprägt, dass zu viel Zeit vor dem Bildschirm einfach nicht gut sei, weder für die Augen, noch für den Kopf. Heute bin ich davon überzeugt dass es weniger darauf ankommt, wie lange man vor dem Bildschirm verbringt, sondern vielmehr was auf dem Bildschirm passiert.

Diese Erkenntnis möchte ich nutzen um es meinem Sohn zu ermöglichen, das Beste aus beiden Welten kennenzulernen, der virtuellen und der echten Realität.

Was digital Natives sind – und was nicht

Der Begriff “Digital Native” ist ein klangvoller Name für die Kinder eine Generation, die mit technischen Geräten großgeworden ist. Viele Kinder besitzen heute schon in der Grundschule ein Smartphone und gefühlt die Hälfte des Spielzeuges in Kinderzimmern hat heute irgendeine “smarte” Funktion.

Man sollte nun meinen dass diese Generation aus jungen Leuten sich hervorragend mit dem Internet, Technik oder zumindest den Betriebssystemen die sie täglich nutzen auskennt. Doch die Realität ist eine komplett andere. Die meisten Kinder und Jugendlichen wissen zwar genau, wie Clash Royale funktioniert oder wie der neueste Instagramfilter heißt, aber wie ihre Geräte funktionieren, dass weiß kaum jemand.

Ich spreche hier nicht von Programmiersprachen, Codes oder sonstigem Informatikkram, sondern von so banalen Sachen wie dem Anstecken eines Druckers, dem Andocken einer Bluetoothbox oder dem Erstellen einer Facebookseite. Meine Erfahrung, mit Familienmitgliedern und Bekannten, zeigt mir dass zwar alle die Technik nutzen, sie aber eigentlich keiner wirklich versteht.

Deshalb möchte ich meinen Sohn keineswegs von technischen Geräten fernhalten, sondern ihm auf verantwortungsvolle Art und Weise zeigen wie die Sachen funktionieren und welche Möglichkeiten die Geräte jenseits vom bloßen Spielen bieten. Schließlich sind gute Kenntnisse im Umgang mit Tablet und Co. im späteren Leben wahrscheinlich mal ziemlich wichtig. Und es gibt viel zu entdecken!

Auf die Nutzung kommt es an

Mein Sohn ist nun 2 Jahre alt und darf, zumindest einmal am Tag, ein paar Minuten am Tablet spielen.

Geht es nach ihm, ist das Tablet vor allem für eine Sache da: Videos anschauen. Das allerdings, darf er überhaupt nicht. Von allen Arten der Nutzung von Bildschirmen finde ich Videos und Filme mit Abstand am wenigsten sinnvoll. Was soll er schon groß dabei lernen wenn er Feuerwehrautos dabei zusieht wie sie einen Brand löschen? Ich finde diese Stories kann er getrost aus einem Buch oder vielleicht mal anhand von einem ausgewählten Film kennenlernen, dazu ist die wenige Zeit die er am Tablet sein darf zu schade. Nein wenn er das Tablet nutzt dann soll er es auch interaktiv nutzen, zum Beispiel mit Malspielen.

Ein sehr gutes “Spiel” aus dieser Kategorie ist “Wald”. Hier kann er das machen, was in echt noch nicht so gut funktioniert – malen und puzzeln. Das Spiel ist für Kleinkinder ausgelegt und bietet einfache Motive von Tieren, die als Puzzle zusammengefügt oder mit verschiedenen Farben ausgemalt werden können.


Nun könnte man argumentieren, dass der Kleine doch lieber mit echten Stiften malen lernen soll. Das stimmt ja auch, steht aber gar nicht im Gegensatz zum Malen am Tablet. Denn er malt auch sehr viel mit richtigen Stiften, doch am Tablet ist alles sehr viel einfacher gehalten, er kann Sachen schnell wieder löschen und gewissermaßen die Kreativität die schon in ihm steckt auf das virtuelle Papier bringen. Ohne dabei sein Kinderzimmer zu ruinieren (es ist trotzdem passiert). Die Erfahrungen die er dabei sammelt und die Motive die er dabei sieht, kann er dann wieder nutzen um mit Stift und Papier umgehen zu lernen. Ich finde das auf alle Fälle sinnvoll und im Vergleich zu Gleichaltrigen kann unser kleiner Noah jetzt schon ziemlich gut mit dem Stift umgehen.

Die Welt entdecken – echt und virtuell

Eine weitere ziemlich coole Sache, finde ich es Noah Sachen anhand von Google Earth zu erklären. Ich selber bin gewissermaßen ein ganz schöner Geografie – Nerd. Von den meisten Ländern kann ich auf Anhieb den Standort nennen, der Grund dafür? Das Spiel der Städte, welches ich in meiner Zeit als Bürokaufmann eigentlich den ganzen Tag gespielt habe. Hier muss man auf einer Weltkarte auf den richtigen Punkt drücken, wenn ein Städtename angezeigt wird – irgendwann war ich verdammt gut darin. Äquatorialguinea auf 100 Km genau finden? Kein Problem!

Weil ich also mein eigenes geografisches Wissen zu einem erheblichen Teil aus Spielen habe, ist es mir wichtig auf diese Art und Weise auch meinem Sohn zu zeigen was die Erde ist, wo wir uns befinden und wie es anderswo aussieht. Mit Google Street View kann man auch schon den Kleinsten zeigen wie es in Amerika, Indien oder Afrika aussieht. Weiß man, was man will und nimmt man sich die nötige Zeit, kann man so einen wundervollen Ausflug in die Welt unternehmen. Ganz wie in einem Buch, nur interaktiver.

Ich finde so sollte Entdecken heute funktionieren. Mit Büchern, Tablets und natürlich viel Zeit in der echten Welt. Wer jetzt alles verteufelt was ich bisher geschrieben habe, der muss sich die Frage gefallen lassen, wieso ein Rundumflug um das Empire State Building per Google Street View so viel schlechter ist, als ein Bild davon in einem Buch.

Auch spielen ist okay

Nachdem unser Sohn nun mehrere Monate lang ausschließlich mit Papa Orte erkunden und Puzzles lösen durfte, haben wir uns vor kurzem mal nach Spielen umgeschaut, die altersgerecht sind.

Dabei bin ich auf  “Lustige Tiere! Lernspiele” gestoßen. Ein nettes Spiel mit einfachen Aufgaben, die Noah dabei helfen auch Brettspiele und andere Spielkonzepte einfacher zu verstehen. Anfangs ist es ja erstmal gar nicht so leicht den Kindern klar zu machen, dass Spiele Regeln haben, an die man sich halten muss, damit sie funktionieren. Hier können diese Spiele ganz gut helfen, und außerdem sind sie eine wesentlich bessere Belohnung als zum Beispiel Süßigkeiten.

Ich denke in den meisten Fällen, in denen die Nutzung von Tablet und Co. aus dem Ruder läuft sind nicht die Kinder das Problem, weil sie “ihre Grenzen nicht kennen”. Das ist meiner Meinung nach Schwachsinn, da es in der Natur der Sache liegt, dass Kinder so lange spielen wie es ihnen Spaß macht. Vielmehr sind die Eltern das Problem, da sie Fernseher und Tablet nutzen, um sich Zeit zu kaufen die das Kind beschäftigt ist. Betreibt man das zu exzessiv, kann man das Bildschirmverhalten seines Kindes nachhaltig schädigen. Wird ein Kind schon in sehr jungem Alter abhängig von Unterhaltungselektronik, wird es sehr schwer ihm später eine adäquate Nutzung beizubringen.

Mein Plädoyer für eine sinnvolle Nutzung von Tablet und Co.

Lasst eure Kinder Tablets, Smartphones, Fernseher und Computer kennenlernen. Sorgt dafür dass sie sich mit vernünftigen und kreativen Inhalten beschäftigen, die sie in ihrer Entwicklung unterstützen und begleitet sie dabei. Sorgt dafür dass sie oft genug die Geräte benutzen können dass sie nicht den Reiz des Verbotenen ausüben, gleichzeitig aber doch so etwas wie eine sinnvolle Belohnung sind. Und verwendet auf GAR KEINEN FALL Tablet, Smartphone oder Fernseher als Puffer für eure eigene Freizeit. Man kann auch kleinen Kindern sagen, dass sie sich jetzt mal ein paar Minuten selber in ihrem Zimmer beschäftigen sollen.

Gibt man Ihnen ein paar Ideen mit auf den Weg, wie etwa: “bau doch die Eisenbahn auf” etc. ist das kein Problem. Kinder sind nicht automatisch süchtig nach Bildschirmen, erst der falsche Umgang mit dieser Faszination nach dem Motto “Ganz oder gar nicht” sorgt dafür dass das Verhalten ins negative Abrutscht. Wer sich mit seinem Kind beschäftigt und zusammen mit Ihm die digitale Welt erkundet, kann bereits in jungen Jahren den Grundstein für eine verantwortungsvolle Mediennutzung legen.

PS: Dieser Blogbeitrag beschäftigt sich ausschließlich mit dem Thema Mediennutzung durch Kleinkinder, auf keinen Fall sollten Kinder zu viel Zeit vor diesen Geräten verbringen, sie sind lediglich ein Teil der die kindliche Entwicklung unterstützen kann. Kinder gehören raus an die frische Luft, in den Garten oder mit Mama und Papa ins Kinderzimmer. Mir geht es in diesem Artikel darum, fanatischen Bildschirmfeinden zu zeigen, dass es auch eine sinnvolle Nutzung von Medien durch Kleinkinder gibt.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*