Den Fehler bei den Anderen zu suchen ist ein beliebtes Mittel um sich selber besser zu fühlen. Videos von Massentierhaltung, Artensterben, Plastikmüll und abgeholzten Regenwäldern gehen mittlerweile genauso viral wie die nicht weniger schlimmen Zeugnisse des “künstlerischen Ausdrucks” von Key One und Co., denn hier kann man sich für einen kurzen Moment richtig gut fühlen. Nur einen Like entfernt von der Solidarisierung mit den Menschen die wirklich etwas gegen die Zerstörung unseres Planeten tun.

Die ganz krassen Umweltschützer unter uns teilen solche Beiträge sogar. “Wow, und schon wieder habe ich die Welt ein kleines bisschen besser gemacht” denkt man sich dann und bucht fröhlich seine Reise nach Thailand, Australien oder den USA.

Dass wir unsere Umwelt allerdings nicht durch Solidaritätsbekundungen retten, sollte dabei jedem klar sein. Die fadenscheinige Art mit der wir unser Gewissen in den Sozialen Medien erleichtern, führt sogar dazu dass gerade diejenigen die es am besten wissen sollten – junge, gebildete Städter mit hohem Einkommen – zu den größten Umweltsündern werden.

Die persönliche Entfaltung als Klimakiller

Wenn ich mit Leuten in meinem Alter spreche, geht es viel um das Thema Reisen. Der Wunsch nach einem großen Auto mit viel PS gilt schon fast als rückständig, denn Autos verpesten die Umwelt, das weiß ja jeder. Heute steht eher die persönliche Entfaltung im Vordergrund, “collect moments not things” lautet die Devise der jungen urbanen Mittelschicht. Dass jedoch auch diese Entfaltung einen horrenden CO² Ausstoß zur Folge hat, scheint den wenigsten bewusst zu sein.

Als kleines Rechenbeispiel sehen wir uns doch mal eine Reise von München nach Brisbane an, die emittiert nämlich satte 12 Tonnen des klimaschädlichen Gases und zwar innerhalb weniger Stunden. Zur Information: das entspricht dem Äquivalent von 60.000 km mit einem Benziner der 8 Liter verbraucht. Ein Genie muss man nicht gerade sein um zu merken, dass man mit so einem CO² Brocken in der Klimabilanz viel weniger Teil der Lösung, als Teil des Problems ist. Zurückfliegen muss man übrigens auch noch.

Klimaschutz so Pi mal Daumen

Das Problem mit unserer Wahrnehmung des Klimawandels, ist nämlich dass er kaum auf Fakten als vielmehr auf Gefühlen beruht. RTL 2 Menschen die sich noch Plastiktüten im Supermarkt kaufen? Total rückständig! Der Kumpel der immer noch mit dem 2er Golf ohne Rußpartikelfilter herumdüst? Fast schon ein Hillbilly! Aber der adrett gekleidete Hipsterfotograf, der uns den Tag mit seinen Bildern von Sonnenuntergängen aus fernen Ländern und Bildunterschriften wie “Traurig dass wir so mit unserem wundervollen Planeten umgehen” versüßt? Der Hammer!

Das sind genau die Leute die wir brauchen – gebildete und bewusste Menschen mit einem Sinn für Ästhetik und die Schönheit der Umwelt. Das besagter Hipster gerade nicht nur Instagram mit einem Sonnenuntergang, sondern auch unsere Atmosphäre mit 12 Tonnen CO² bereichert hat, wird dabei leider kaum jemand bewusst.

Es würde halt auch nachhaltig(er) gehen

Dabei wäre es so wichtig, sich zu informieren und auf Fakten zu stützen die es ermöglichen sinnvoll weniger CO² zu emittieren. Denn Klimaschutz bedeutet keinesfalls das man aller Möglichkeiten eines guten Lebens beraubt wird.

Statt zwei Flügen – einmal nach Vietnam und einmal nach Thailand – könnte man zum Beispiel überlegen beide Reisen zusammenzulegen und beide Länder mit einem Flug zu besuchen. Oder man bereist erstmal Europa, Afrika oder irgendeine andere Gegend für die man keine 14.000 km zurücklegen muss.

Man könnte auch auf Fleisch verzichten ohne gleich Vegetarier zu werden, oder einfach mal öfter die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Es ist eigentlich völlig egal welche Hebel man in Bewegung setzt um weniger CO² zu emittieren, die Hauptsache ist einfach dass man damit anfängt und sich bei allem was man so treibt darüber bewusst ist, welchen Einfluss es auf unseren Planeten hat.

So schlägt man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: erstens lebt man nachhaltiger und zweitens (viel wichtiger) geht man mir nicht mehr mit irgendwelchen pseudointelektuellen Floskeln von einer besseren Welt auf den Sack ohne irgendeinen Plan zu haben was eigentlich um einen herum so passiert.

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